Interview mit Alessandro Cipriano “Ein Sänger der seinen Weg geht”
von artandinterview
Frankfurt: 23. September 2011
von Leila Mizing |Art & Interview ©2011LMCID
Ich war von diesem Künstler sehr beeindruckt und war von seinem Werdegang fasziniert. Ein Sänger der mit seiner Vision…. Anmut, Grazie und Schönheit vermittelt. Der Tenor der Herzen präsentiert seine neue CD “Visione” Crossover|Klassik. (www.alessandrocipriano.com)
Sehr geehrter Herr Cipriano, ich freue mich dass Sie heute mein Gesprächspartner sind.
Mizing:Herr Cipriano, zuerst herzliche Gratulation zu Ihrem neuen Album „Visione“ Ich habe mich sehr auf dieses Interview gefreut, denn Ihr Werdegang ist eine unglaubliche Geschichte und verbirgt sehr viele Nachrichten an die Aussenwelt. Es zeigt auf, dass Karriere machen viel Arbeit bedeutet und viele Leute nicht wissen, was es wirklich heisst, ein Künstler zu sein und dass man seinem Schicksal folgen muss.
Cipriano:Vielen Dank. Ich sehe meine heutige Arbeit als eine Therapie an und ein Aufzeigen wie es in der Musikwelt zu und her geht. Offen reden, das ist ganz was wichtiges. Ja, das Ganze hat eine lange Geschichte. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, wurde dort 1969 geboren. Ich bin als Einzelkind wohl gehegt gross geworden. Musik hat mein Leben seit früher Kindheit begleitet, ich habe jeden Tag gesungen schon seit ich 5 Jahre alt war und immer den Traum gehabt, eines Tages gerade diesen Traum zum Beruf zu machen. Ich wurde mit 2 Monaten von meinen Eltern adoptiert und kenne daher meine leiblichen Eltern nicht. Ich habe erst später nach meinen Wurzeln gesucht und wurde auch fündig und habe heute noch 2 Halbbrüder, 2 Halbschwestern und einen leiblichen Bruder. Die Mutter hatte alle Kinder zur Adoption gegeben, welche Gründe auch immer sie dafür hatte, wichtig ist, dass alle ein liebendes Zuhaue fanden.
Ich habe immer gespürt, dass in meinem Blut noch was anderes fliesst und das war auch so, also ich bin zur Hälfte Italiener mutterseits und der Vater ist deutscher Herkunft…wie gesagt, ich wurde als Baby adoptiert und ich bin sehr dankbar dafür. Es begleitet mich eine lange intensive Lebensgeschichte die heute in meine Musik und mein Können einfliessen. Man musste nach seiner Identität suchen, ich hatte das Glück eine Antwort zu bekommen, viele andere haben das nicht. Es ist schwierig nicht zu wissen, wer man eigentlich ist und doch ist es gerade in der Musik wichtig ein profundes Profil zu haben. Als Sternzeichen bin ich Stier und die sind in ihrem Vorgehen sehr speziell und kämpfen atemlos für das, was sie wollen. Das braucht viel Durchhaltewillen und Ehrgeiz. Ich sagte mir immer, wenn ich etwas wirklich will, dann tue ich auch was dafür
Mizing:Wie kam die Musik in Ihr Leben?
Cipriano:Mir hat die Musik immer sehr gefallen, ich mochte es zu singen. Als Schüler war ich dann auch im Schulchor und habe Flöte und Querflöte studiert. Als der Chor aufgelöst wurde, war ich sehr traurig… Ich hatte immer eine starke Stimme und war als Solosänger bestimmt nach meinem Gefühl… zur Klassik kam ich mit 18 Jahren…als ich zum ersten Mal eine Klassik CD von Mozart hörte, da spürte ich ein angenehmes Gefühl in meinem Herzen und wusste daraus entsteht ganz etwas Neues. Ich schaute mich nach einem Gesangslehrer um und fand meinem ersten Lehrer in Zürich mit dem ich 3 Jahre arbeitete. Irgendwann merkte ich aber, dass ich da nicht mehr weiter komme, er wollte immer dass ich das Repertoire eines Baritons studiere, ich mich da aber nicht zuhause fühlte. Ich liebte die romantischen Rollen wie Nemorino, Don Ottavio, Belmonte usw.
Mizing:Was haben Sie dann unternommen?
Cipriano:Ja das war gar nicht so einfach für mich, aber eines Tages als ich in der Stunde war, hörte ich von einem anderen Raum aus eine schöne Sopran-Stimme…die Ehefrau meines Lehrers war Pianistin und Korrepetitorin und sie hatte eine Schülerin bei sich. Es war so schön anzuhören und ich fragte meinen Lehrer, wer die Sängerin sei. Er sagte, dass sei die Nathalie aus Zürich, die in Wien bei der Kammersängerin Ruthilde Boesch studiere. Ich war hin und weg. Die Stunde ging weiter. Als ich dann zu Hause war habe ich mich sofort informiert, wer die Kammersängerin ist und habe raus gefunden, dass es die Lehrerin der weltberühmten Edita Gruberova ist. Ich überlegte und nach ein paar Tagen rief ich einfach mal an und fragt ob ich einmal vorsingen darf. Klar sagt sie und ich fuhr nach Wien. Ich war nervös und freute mich auch. Als ich ankam öffnete Ihr Hausmädchen Helene die Türe und sagte, bitte kommen Sie rein. Es war ein tolles Gefühl so respektvoll und erhaben. Sie führte mich in den Salon und dort wartete schon die Kammersängerin mit dem Pianisten.
Mizing:Was fühlten Sie ?
Cipriano:Oh, es war ein tolles Gefühl. Wir plauderten ein bisserl und dann sagte sie, was hören wir? und ich sagte, ich habe die Arie des Don Ottavio vorbereitet, Dalla Sua Pace. Der Pianist fing an zu spielen und ich setzte ein. Sie schaute mich mit grossen Augen an und nach 10 Minuten war es schon vorbei. Sie hob ihren rechten Daumen und meinte, wunderschön, ein schöner lyrischer Tenor, da holen wir aber noch 50% mehr raus. Ich war begeistert und erleichtert, dass das so gut ging. Noch nie hatte ich ein solches Kompliment erhalten und ich wusste, dass ich meine Lehrerin gefunden hatte und sie mich auch unterrichten wollte. Sie nahm nicht jeden, man musste schon Niveau haben und sie merkte wer Talent hatte und wer nicht. Sie war immer sehr direkt und sagte auch Sängern, dass Sie vielleicht besser was anderes machen sollen, denn nur eine Stimme zu haben reicht ja nicht. Schüler aus der ganzen Welt kamen.
Mizing:Und dann haben Sie sofort mit Ihr gearbeitet?
Cipriano:Nein, ich war dann wieder in Zürich und musste dann wieder in meine Stunde bei meinem Lehrer. Ich fühlte aber dass ich nach Wien musste, konnte es ihm jedoch nicht wirklich mitteilen. So ging das fast ein Jahr und ich übte heimlich mit der Technik der Kammersängerin, er merkte es aber nicht. (lacht)
Nach fast einem Jahr trennte ich mich aber von ihm und ging wieder nach Wien um eine Stunde bei Frau Boesch zu nehmen. Es war einfach toll, der Pianist war dort und die Kammersängerin ist einfach eine Dame der Opernwelt, ich hatte sehr viel Respekt. Als ich dann bei ihr war, sagte sie nur…wir haben uns fast ein Jahr nicht mehr gesehen und sie sagte, es ist unglaublich, dass du alles was ich dir in nur 10 Minuten beigebracht habe immer noch kannst. Das hatte sie wirklich beeindruckt. Ja, das ist eine meiner Stärken, was man mir sagt, das setzte ich gleich um. So haben wir mehr als 7 Jahre hart gearbeitet, aber mehr dazu kann man in meiner Biographie lesen – alles zu erzählen würde viel zu viel Zeit nehmen.
Mizing:Das ist ja wirklich eine interessante Geschichte, ich habe mich natürlich vorher sehr gut über Sie informiert und recherchiert.
Cipriano:Ja Frau Mizing das merke ich – Sie sind bestens informiert, ich habe da kürzlich etwas anderes erlebt, ein Artikel den wir nicht freigegeben haben, weil er so schülerhaft geschrieben war und das von einer grossen Zeitung in der Schweiz. Diese Journalistin behauptete, dass Sie schon wisse wie man Artikel schreibt, sie habe schliesslich 35 Jahre Erfahrung. Aber können Sie sich vorstellen, dass diese Person mich in diesem Artikel als ein uneheliches Kind betiteln wollte? Dann habe ich lieber keinen Artikel als so was. Da bin ich heute knallhart. Da spreche ich Ihnen Frau Mizing ein grosses Kompliment aus. Wenn ich heute zurückschaue, denke ich wie habe ich all das nur geschafft, es war nicht immer alles nur schön, ich habe stets für meinen Traum gekämpft. Es liegt wohl in den Händen des Schicksals jedes Menschen, wie schnell jemand Karriere macht. Aber die Zeit wird es richten und gerade im Gesang ist es wichtig, sich Zeit zu lassen um wachsen zu können.
Mizing:Nochmals zurück in die Kindheit, wie war es mit dem Stimmbruch?
Cipriano:O, ja! Als Kind hatte ich eine geradezu hohe und helle Stimme, ich hatte schon da den Drang in der Höhe zu singen, hatte aber nicht die Probleme wie andere, ich habe damals schon jeden Tag gesungen und ich denke, dass das Training meine Stimme schon zu jener Zeit flexibel formte (lacht).Heute ist meine Stimme reifer und viel runder geworden, das macht das Alter aus und da spielen auch die Hormone eine grosse Rolle.Ich bin ja noch nicht alt, aber ab 40 verändert sich die Klangfarbe jeder Stimme. Bei mir war es aber auch die allgemeine Veränderung in meinem Künstlerleben, ich habe viel mehr Tiefe und Ausdruck dadurch erhalten.
Mizing:Sie haben ja zuerst eine Ausbildung in der Hotellerie gemacht?
Cipriano:Jaja. Lerne zuerst was Rechtes nicht wahr!!! Ja, ich machte die Hotelfachschule und lernte zu kochen und alles andere drum herum. Kochen tue ich heute noch gerne, aber nur für Gäste, wenn es sich lohnt.
Mizing:Was ist Ihr Leibgericht?
Cipriano:Das fragen Sie einen der italienisches Blut hat? lacht..Pasta und Pizza liebe ich, ich habe viel exklusive Kost zubereitet und gegessen, aber am liebsten mag ich die Wiener-Böhmische Küche, ein Gulasch mit Servietten Knödel, herrlich.
Mizing:Waren sie schon während dem Studium auf der Bühne?
Cipriano:Ja immer wieder, es ist für einen jungen Sänger sehr wichtig so früh wie möglich vor Publikum zu stehen und sich daran zu gewöhnen. Das viel mir nie schwer, ich liebte es schon früh vor Leuten zu stehen und meine Seele zu offenbaren. Klar, man konnte davon nicht leben und daher arbeitete ich immer nebenbei, um auch Geld zu verdienen. Ich wollte immer mein eigenes Geld. Die ganzen Stunden und Reisen nach Wien waren teuer. Aber es lohnt sich dorthin zu gehen, wo man weiss, dass es das Beste ist. Ich hatte immer die Unterstützung eines sehr vertrauten Freundes bis heute. Dann hatte ich auch noch das Stipendium der Armin Weltner Stiftung des Opernhaus in Zürich erhalten durch den Intendanten Herr Pereira. Aber eben stets die Arbeit nebenbei, das war viel, ich hatte immer einen Job zwischen 60%-80% mal weniger mal mehr. Ich war immer sehr zielbewusst, ehrgeizig und wusste, nur durch harte Arbeit kommt man weiter.
Die Kammersängerin hatte mich stets bei allen gelobt wie fleissig ich bin. Ich liebe die Kammersängerin, sie ist ein toller Mensch und hat ein grosses Wissen…heute ist sie schon 93 unterrichtet aber nicht mehr. Wir sind alle dankbar was wir gelernt haben, Wien war die beste Zeit meines Lebens und wird es immer sein, Wien ist heute meine zweite Heimat. Selbst wenn ich Sie heute besuche oder anrufe, freut sie sich immer sehr, auch die Helene. Früher noch während dem Studium wurde ich immer verwöhnt, die Helene sagte immer, komm mal in die Küche, dann gab sie mir immer was zu naschen, Strudel oder sonst was…ja für die Helene war ich auch was spezielles…sie ist heute noch dort (hat glänzende Augen).Ich war irgendwie der Hahn im Korb, da die meisten Schüler Soprane waren. Einen Tenor hatten wir noch aus Bayern, leider hatte er es dann aufgegeben, er hatte eine tolle Stimme. Ja, Wien Wien nur Du allein, ein Lied das die Wahrheit spricht. In all den Jahren, habe ich mich auch dem Wienerlied verschrieben und habe diese minutiös mit der Kammersängerin studiert. Einst sagte sie, du bist der wienerischste Schweizer den ich kenne.
Mizing:Wie kamen Sie zur Bühne?
Cipriano:Man kommt da automatisch rein und geht an Vorsingen und lernt Leute kennen, singt Agenten vor. Man lebt aber auch in einer Fantasiewelt, gerade heute ist das sehr extrem. Klar, die Bühne ist eine Kunstwelt, in der vieles auch nicht mehr natürlich wirkt.
Mizing:Wie meinen Sie das?
Cipriano:Das ist ein Problem von vielen Opernsängern, aber auch in der Popwelt. Die leben nur über ihr Äusseres. Die Opernwelt heute besteht oft nur noch aus Glamour und Marketing, alles nur Schein nach aussen, leider ist es so, da zählt oft nicht mehr was man kann, man wird vermarktet und ist ein Produkt. Schnell Geld machen und ein grosser Star werden. Gut gibt es in der Opernwelt noch keine Casting Sendungen, da bin ich gar kein Fan von. Man muss seinen Weg gehen und diesen auch hart erarbeiten, aber ganz wichtig sich selber treu bleiben und sich nicht verkaufen. Das muss aber jeder für sich entscheiden, heute würde ich das auch nicht für einen Welterfolg wollen, denn da gibt man sein Leben an Andere ab und viele scheitern dann auch daran.
Mizing:Gab es Leute, die Ihnen ein Image auferlegen wollten?
Cipriano:(Denkt nach) Nein, nicht wirklich…wissen Sie , ich bin sehr bescheiden und normal aufgewachsen, ich weiss woher ich komme und wie hart ich arbeiten musste. Um heute da zu stehen und meinen Traum leben zu können, habe ich sehr viel auf mich genommen. Mit beiden Beinen am Boden bleiben, ist mein Motto, klar eitel bin ich schon und ich weiss auch welche Vorzüge ich habe und ja Fotos, mit denen ich nicht zufrieden bin, möchte ich auch nicht an der Öffentlichkeit vorlegen (rollt die Augen). Ich habe mich in den letzten Jahren extrem verändert, innerlich und auch äusserlich.
Mizing:Wie kam es dazu?
Cipriano:Hmmm…das ist nun wieder eine lange Geschichte und will sie auch nicht langweilen. Wie Sie wissen, habe ich mich 2005 entschieden in eine ganz andere Richtung zu gehen. Ich habe zwei Herzen in meiner Brust, musikalisch gesehen. Ich bin der absolute Romantiker, wie halt die Tenöre sind. Ich bin ein grosser Fan von Crossover Musik, was ganz etwas Anderes ist und da ist die Scheinwelt noch extremer als in der Klassik. Da zählt es heute nur, wie sieht man aus, was singst du, bist du berühmt etc. … also eine Welt die ich so nicht sehr mag, aber trotzdem leben wir im 21 Jahrhundert und entweder macht man da mit oder man muss es lassen. Ich versuchte vergebens von 2005 bis Ende 2007 mich da zu etablieren und dann noch im falschen Land. Die Schweiz gibt für Künstler in dem Bereich keine Unterstützung und man wird auch nicht als seriösen Künstler ernst genommen, ausser man jodelt oder singt Folklore, aber so was hätte ich mir nie angetan.
Wissen sie wie oft man in der Schweiz hört, kann man davon leben? Diese Frage alleine kann ich heute nicht mehr hören, es gibt einem das Gefühl von nicht ernst genommen zu werden in dem was man tut. Das habe ich all die Jahre in Wien oder auch jetzt in London nie gehört. Wenn man Künstler ist, ist das ein Beruf. Ich frage ja auch nicht ein Banker, ob er von seinem Beruf leben kann. Es hat mit Respekt zu tun und das fehlt selbst im 21 Jahrhundert noch vielen. Ich würde meine Seele nie verkaufen um Erfolg zu haben. Ende 2007 habe ich Herr Wagner von Wagner Management International kennen gelernt und er sah in welcher Situation ich mich befand. Bis dato hatte ich eigentlich nur schlechte Erfahrungen gemacht, gut wenn man nichts anderes kennt, denkt man, das sei normal. Herr Wagner öffnete mir die Augen. Er meinte nur, vergeude doch nicht dein Talent, du hast die beste Ausbildung in Wien gemacht.
Mizing:War das ein Schock für Sie
Cipriano:Ja und nein! (ist nachdenklich), eher ja. Denn ich hatte zu der Zeit einen Manager, der mich nicht ernst genommen hatte und mich nicht wirklich unterstützt hatte. Das meiste musste ich eh alleine machen. Einmal hat er mich wirklich zur Adventszeit gratis singen lassen, niemand wusste, dass ich dort singe, er hatte nicht mal Werbung gemacht und das Publikum bestand aus vielleicht 5 Personen, er nicht anwesend. Dafür seine Assistentin die knutschend mit Ihrem Freund im Sofa lag während dem ich Weihnachtsmusik mit meinem Pianisten vor trug. Was ich da fühlte? Hmmmm…Demütigung, da wurde mir erst klar, das muss ein falscher Film sein. Herr Wagner war auch dabei. Als Gage gab es nichts, eine Kollekte war organisiert von 5 Leuten. Jetzt können Sie mal ausrechnen. Nichts ausser vielleicht 1 Euro war drin. Herr Wagner gab von sich aus 70 Euro dazu und er bezahlte sogar den Pianisten, der zu der Zeit schwer krank war und leider vor 2 Jahren verstarb. Rudolf Schwarz war ein lieber Mensch und er hat mich immer unterstützt und er war zu allem bereit. Ich war wie ein Sohn für ihn. Das findet man heute nicht mehr. Sie sehen, es ist nicht alles Gold was glänzt.
Mizing:Ja das berührt mich sehr…und wie ging es weiter?
Cipriano:Herr Wagner war ehrlich mit mir und meinte: Entweder ändern wir das und du bekommst den Respekt den Du verdient hast, oder Du kannst Deinen Traum an den Nagel hängen, so kommst du sicher nirgends hin… Da war ich paff! Aber er hatte recht. Er ist auf Coaching, Konzept und Projektmanagement spezialisiert und hat eine fast 20 jährige Erfahrung als Leiter in einer psychiatrischen Klinik und ist noch dazu spezialisiert auf emotionale Bereiche des Menschen. Ein Mensch also, der weiss, um was es geht und was bei den Menschen Gefühle auslöst. Wir haben einen sogenannten Status Quo gemacht, was ich habe oder nicht habe, wer was für mich gemacht hat oder nicht. Das Endresultat war ernüchternd und schockierend zu gleich. Da hiess es…neu anfangen und hinter die Bücher gehen. So machte ich noch im Dezember ein Abschlusskonzert unter meinem bürgerlichen Namen und verkündete somit den Neubeginn und den neuen Künstler-Namen. Ja, ich bin halb Italiener und konnte endlich meine neue Identität annehmen und leben. Alessandro ist mein echter zweiter Name. So haben wir die letzten 3 Jahre ein neues Konzept aufgebaut, eines das mir zurecht kam und ich mich darin wieder sah. Meine Visionen die ich immer hatte wurden somit umgesetzt und das Produkt, ich sehe mich heute in gewissem Ausmass als ein Produkt, Alessandro Cipriano war geboren.
Visione wie sie wissen, erzählt meine Lebensgeschichte die ich heute offen mit allen teile, um aufzuzeigen dass die Scheinwelt alles andere ist als nur den Blick durch die rosa Brille. Herr Wagner unterstützt mich dabei sehr und wir sind beide gerade daran mich auf dem internationalen Markt herauszubringen, was uns sehr gut gelungen ist. Den Anfang haben wir in London gemacht. Dort wurde ich von einer Top Fachjury bewertet nach einer Konzept Präsentation und einem Konzert im Landmark Hotel London. Die sagten nur: “it was just fantastic” ich konnte es kaum glauben, so was hatte ich noch nie gehört.
Mizing:Ihr neues Image und Produkt Visione änderte Ihr leben?
Cipriano:Nicht ganz oder doch? In den 3 Jahren, die ich nun mit Herr Wagner bereits arbeitete, betonen muss ich dass ich natürlich immer nebenbei gearbeitet hatte um leben zu können, doch natürlich da hat sich mein Leben absolut gewendet. Plötzlich sah ich Dinge klarer und bemerkte wie ausgeliefert man doch war, -entschuldigen Sie wenn ich das so offen sage, wie verlogen die Musikbranche in dem Bereich oft ist, aber das ist ein grosses Problem von vielen Künstlern – die sind einfach Künstler aber verstehen das Business nicht und das habe ich Gott sei Dank gelernt, worauf es ankommt. Mein Wissen und Können heute würde ich nicht mehr hergeben und werde sicher zu einem späteren Zeitpunkt mein Wissen weiter geben.
Mizing:Sie haben Ihre Firma und Ihr eigenes Label gegründet wieso?
Cipriano:Die Antwort ist einfach. Wenn man solche Erfahrungen macht, für alles kämpfen muss und am Schluss nur die 2 am Rücken hat, ist es besser sich auf sich selber zu konzentrieren und seinen eigenen Weg gehen, das Vertrauen in andere war wenig bis gar nicht mehr vorhanden. Wissen Sie, Frau Mizing die Musikbranche heute hängt selber an einem dünnen Faden, es gibt nur zwei Muster, entweder ist man weltbekannt oder gar nicht. Ein dazwischen gibt es kaum noch. Wenn man im kommerziellen Bereich tätig ist, ist es noch tausendmal schwieriger als anderswo. Es ist ein Haifischbecken und wer da nicht schwimmen oder kämpfen kann, der hat das Spiel längst verloren. Jeder schaut nur auf seine eigenen Vorzüge, alle wollen nur viel Geld verdienen und zocken so ahnungslose Sänger ab. Alles erlebt, nur Geld machen aber keine Unterstützung bieten. Heute kann ich offen darüber reden, wissen sie das muss man.
Da passieren Dinge die ich nie für möglich gehalten hätte. Aber Ideen werden oft auch geklaut, gerade bei Visione ist mir das passiert. Da wurde die Idee Schwanensee zu vertexten kurz nach meiner Veröffentlichung zu 99% weitergegeben nur weil wir mit meiner CD auch an ein grosses Plattenlabel bemustert haben. Ich nenne da keine Namen, aber diese behaupten nun dass sie zum ersten Mal Schwanensee vertexten, was ja nicht stimmt. Da war ich der Schnellere. Ehrlich gesagt, ich selber habe mich weitergebracht als alle anderen zuvor. Heute stehe ich selbstbewusst in meinem Leben, habe meine Firma und Label und ich entscheide mit wem ich arbeiten will, es ist ein gutes Gefühl. Seit Ende Juni 2010 arbeite ich nichts mehr nebenbei, ich konnte mich zum ersten Mal in meinem Leben voll auf die Musik konzentrieren, dank der Unterstützung von zwei Menschen in meinem Leben, erst wenn man das mal kann, sieht man wie die Kreativität sich stets entwickelt und man sich zu 100% seinem Traum widmen kann. Klar ist, man muss Änderungen im Leben zu lassen auch wenn Durststrecken auf einem zu kommen.
Mizing:Das Stichwort Schwanensee, wie kam es dazu?
Cipriano:Ich habe tausend Ideen und Visionen und hatte diese all die Jahre, nur waren die auf Eis gelegt. Oft hatte ich Ideen und habe dann später gehört, dass dies oder das irgendwie veröffentlicht wurde. Seltsam wie ich Dinge immer spürte. Also ich habe einen sehr ausgeprägten Instinkt und weiss was gut und nicht gut ist, heute noch viel mehr durch die harte Schule mit Herr Wagner (lacht). Als ich die Stücke der CD ausgewählt hatte, suchte ich nach einem Thema das noch nicht in einer Crossover Version existierte. So kam ich zu Schwanensee. Gut dazu gab es nur die Musik die aus dem Ballett von Tchaikovsky stammt. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel gelernt und dachte nie dass ich auch das Talent zum Schreiben habe. Ich habe doch in Zusammenarbeit das Konzeptbuch geschrieben, das Libretto zu Visone das für eine Show geschrieben ist. Wissen Sie, wenn ich alles hätte schreiben lassen müssen ,da wäre ich heute sicher nicht mehr daran. Das Geld kann man ja nicht bezahlen. Aus der Not eine Tugend machen, so habe ich wirklich alles selber aufgebaut und habe andere Talente in mir entdeckt und zugelassen. So sind dann auch Liedtexte entstanden wie Mirror of my Soul zu Schwanensee und die deutsche Version Spiegel meiner Seele. Der Text ist sehr poetisch und es machte mir sehr viel Freude zu schreiben. Gerade schreibe ich an einem neuen Lied (ist noch geheim und lacht).
Mizing:Beschreiben Sie sich mal selbst?
Cipriano:Ich bin ein Sänger der aus seinem Herzen singt. Meine Wurzeln und meine Liebe ist und wird immer die Klassik bleiben. Ich liebe lange Phrasierungen da ich über einen sehr langen Atem verfüge den ich die Jahre gut trainierte, daher liebe ich auch das Belcanto Repertoire in der Klassik, wie Bellini, Donizetti, Rossini. Ich weiss ,dass ich Menschen mit meiner Musik und Präsenz berühre und das ist das wichtigste. Ich denke ich lebe heute mein Leben und nicht das was die Umwelt von einem verlangt. Man muss stets seine eigene Interpretation bereit haben und nicht andere kopieren wollen. Die Musik verstehen und schätzen welche positive Auswirkung sie auf die Psyche des Menschen hat. Dann kann nichts schief gehen, einfach Gottvertrauen haben und sich leiten lassen.
Wie schon erwähnt, bin ich ein sinnlicher Mensch daher suche ich mir auch das Repertoire aus was mich innerlich bewegt. Ich höre gerne anderen Kollegen zu, höre meistens nur klassische Musik und mich beeindrucken schöne Stimmen. Meistens Soprane, weiss nicht wieso aber die haben diesen Metallklang in der Stimme und die Höhen sind brillant und klar. Ich liebe die Tebaldi, Freni, Gheorghiu, Gruberova,etc. es sind einige. Natürlich auch Tenöre der alten Generation wie: Caruso, Pavarotti, Di Stefano, Thill, wie auch die jungen, Kaufmann, Florez. Sänger mit Persönlichkeit und Grösse.
Mizing:Dann noch schnell zur Gesangstechnik, gibt es da eine oder viele?
Cipriano:Wissen sie, jeder Lehrer hat da seine eigene Methode, als Student muss man den Lehrer finden, den man für sich gut findet. Man muss so lange suchen bis man ihn gefunden hat. Ich hatte zwei und bei der Kammersängerin war ich richtig angekommen. Sie ist bekannt für die Belcanto Stimmen siehe Gruberova, leichte Stimmen sind ihre Spezialität. Aber es gibt eigentlich nur eine Technik, die muss man hart erarbeiten und täglich üben. Wie ein Athlet, man muss die Muskeln für eine Höchstleistung trainieren. Singen ist wie Sport, Koordination zwischen Muskeln, Atem und geistiger Arbeit, Ausdruck, Text und Spiel. Eine Herausforderung für Jeden. Eine gute Technik ist das A und O aber es gibt da ja auch die Interpretation die man nicht vergessen darf. Nicht zu viel an der Technik rumstudieren , vertrauen und es geschehen lassen und sagen, ich habe die Technik im Griff nicht sie mich.
Mizing:Was erfüllt Sie in Ihrer Karriere mit Zufriedenheit?
Cipriano:Ich habe vieles erlebt all die Jahre und weiss was ich für meine Karriere geopfert habe und was ich alles für meine Liebe den Gesang gearbeitet habe. Heute bin ich froh der Mensch zu sein, der sein Leben lebt und das tut was er will und nicht was einem vorgeschrieben wird. Ich bin froh, dass mein neues künstlerisches Leben in eine ganz andere Richtung geht und ich mich auf die Herausforderung sehr freue. Ich habe viele Projekte die ich angehen werde. Aber das schönste ist, dass ich mir selber treu geblieben bin und ich mich selbständig gemacht habe und ich alles selber entscheiden kann. Klar diesen Weg einzuschlagen heisst, Geduld haben, es ist sicher härter und braucht länger, aber am Schluss bringt einem Fleiss und harte Arbeit ans Ziel. Es ist wie in der Oper, die Macht des Schicksals, es wird es richten. Ich empfehle heute jedem Sänger, der sich in einem System eingeengt fühlt und das Gefühl hat nicht mehr weiter zu kommen, sich einen Rat zu holen und vielleicht an eine Veränderung zu denken. Coachings helfen dabei wie ein Wunder, auch für sich persönlich.
Ein schönes Schlusswort. Herr Cipriano ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute auf dem weiteren Weg.
Vielen Dank für das Interview und für das offene Gespräch Frau Mizing.
Erstellt: 23.9.11
Letzte Änderung: 25.9.11
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